Panaritium beim Säugling


Panaritium beim Säugling

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Bild: Manuel Tennert | stock.adobe.com

Bei einem Panaritium (Nagelbettentzündung) handelt es sich um eine Entzündung an Zehen oder Fingern. Dabei dringen infolge kleinster Hauteinrisse oder bei Verletzungen im Nagelwall oder Nagelfalz Bakterien ein, wodurch es zu einer Infektion kommt.
Panaritien betreffen Erwachsene, Kinder und sogar Babys.

 

Die Einteilung von Panaritien erfolgt nach der Lokalisation:

  • Panaritium cutaneum mit Beteiligung der oberen Hautschichten;
  • Panaritium subcutaneum mit tiefer Ausdehnung unter der Haut;
  • Panaritium parunguale vom Nagelfalz ausgehende eitrige Infektion mit möglichem Befall der Knochenhaut (Periost) und Sehnen;
  • Panaritium subunguale unter Zehen- oder Fingernagel gelegene Infektion, häufig vom Nagelwall ausgehend;
  • Panaritium tendinosum mit Befall von Sehnen und Sehnenscheiden;
  • Panaritium articulare Gelenk übergreifende Infektion.

 

Ursachen von Panaritien

  • Falsche Nagelpflege (Fallbeispiel) häufig mit zu tiefer Abrundung der Nagelecken und Hautverletzungen;
  • bei Babys und Kleinkindern durch Daumenlutschen oder bei größeren Kindern und Erwachsenen durch Nagelkauen;
  • Zurückschneiden des Nagelhäutchens;
  • zu enge und zu kleine Schuhe ohne notwendige Distanz im Stand von 0,8 bis 1 Zentimeter von längster Zehe bis zum inneren Schuhvorderrand;
  • an Fingern permanente Reizung durch Anwendung von Säuren, Laugen oder anderen Reizstoffen (betrifft Erwachsene).

 

Symptomatik eines Panaritiums beim Säugling

Da das Immunsystem bei Babys, im Gegensatz zum Erwachsenen, noch nicht vollständig entwickelt ist, besteht bei kleinsten Hautverletzungen und Eindringen von Mikroorganismen an Zehen oder Fingern die Gefahr einer Infektion. Die Folge ist eine Entzündung des Nagelwalls mit allen klassischen Entzündungszeichen wie Calor (Hitze), Rubor (Rötung), Dolor (Schmerz), Tumor (Schwellung) und Functio laesa (Funktionseinschränkung). Dabei kann es zum Abheben des Nagelwalls kommen. Aufgrund heftiger, typisch pochender Schmerzen sind Babys unruhig, weinen oder schreien oftmals heftig. Die Zehen oder Finger sind stark empfindlich, massiv gerötet und geschwollen (Abb. 1). Hinzu kommen Überwärmung und Bewegungseinschränkung. Auffällig ist eine Schonhaltung des Fußes und seiner Gelenke. Des Weiteren besteht ein typischer Druckschmerz. Bei leichtem Druck entleert sich häufig ein eitriges Sekret. Ohne notwendige Therapie kann es zur Ausbreitung der Infektion kommen, wobei dann Fieber und extreme Müdigkeit auf eine systemische Infektion mit möglichen weiteren Folgen hinweisen.

Nach Abklingen der Infektion kann es zu einer lästigen Bildung von Granulationsgewebe (zell- und gefäßreiches faserarmes Bindegewebe bei sekundärer Wundheilung) am Nagelwall kommen (Abb. 2 a und b).

 

Diagnostik

Eine ausführliche Anamnese gibt bereits Hinweise auf auslösende Ursachen oder vorliegende Risikofaktoren. Bei der Inspektion fallen Rötung und Schwellung mit Funktionseinschränkung des Zehs oder der Finger auf. Palpatorisch besteht in der entzündlichen Region ein heftiger Druckschmerz. Serologische Untersuchungen (Blutuntersuchungen) weisen eine Erhöhung der Entzündungsparameter wie zum Beispiel BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit), Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und CRP (C- reaktives Protein), besonders bei bereits vorliegender systemischer Ausbreitung der Infektion, auf. Bei Eiterabsonderung ist eine Erreger- und Resistenzbestimmung (mikrobiologische Prüfung der Empfindlichkeit oder Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika), zur Abklärung der Erreger für eine antibiotische Therapie zu empfehlen. Besteht der Verdacht einer ossären (knöchernen) Läsion, kommen bei Säuglingen und Kindern die Sonografie und bei Jugendlichen und Erwachsenen konventionelle Röntgenaufnahmen oder selten eine Magnetresonanztomografie (MRT) in Betracht.

Differenzialdiagnostisch kommen Nagelpilzerkrankung, selten auslösende Herpesviren und bei größeren Kindern und Erwachsenen ein seltenes Plattenepithelkarzinom infrage. Letzteres ist zeitnah dringend vom Arzt abzuklären.

 

Prophylaxe

Eine wichtige Rolle spielt bei Babys eine gründliche Händehygiene der Familie. Vor dem Nägelschneiden des Babys sind die Hände gründlich zu waschen. Günstig erweist sich anschließend eine Desinfektion der Hände. Des Weiteren schützt eine Desinfektion der Nagelschere vor einer Infektion. Nagelecken sind nur gering abzurunden, um ein Einwachsen des Nagels in das Nagelbett zu verhindern. Ein Unguis incarnatus (eingewachsener Nagel) kann durch seitlichen Druck zu kleinen Hautläsionen führen und bietet damit eine Eintrittspforte für Mikroorganismen wie zum Beispiel Bakterien, Viren oder Pilzen. Ferner ist längerer Kontakt mit Seife oder Waschlotion wegen Aufweichung der Haut zu vermeiden. Regelmäßiges Einkremen der Nägel und Nagelhaut mit Pflegeprodukten (z.B. GEHWOL med Nagel- und Hautschutz-Creme) schützt vor trockener Haut. Luftdurchlässige Strampelanzüge oder Strümpfchen aus Baumwolle verhindern übermäßiges Schwitzen der Füße und vermeiden ein Aufweichen der Haut, so dass ein Eindringen von Bakterien mit nachfolgender Infektion ausbleibt.

 

Therapie

Der Fuß des Säuglings sollte zur Entlastung ruhiggestellt und hoch gelagert werden. Zur Linderung der Schmerzen und Entzündung sind kurzzeitig kalte Umschläge hilfreich. Mithilfe von kalten Quarkwickeln besteht keine Gefahr einer Erfrierung. Außerdem passt sich der leicht verformbare Quarkwickel gut dem entzündeten Zeh oder Finger an. Abgekühlte Kamillenbeutel wirken antientzündlich. Weitere Linderung ist mit kurzzeitigen lauwarmen Bädern und Rosmarin- (z.B. GEHWOL Badesalz) oder Ringelblütenzusatz zu erreichen.

Die mehrfache lokale Anwendung eines Desinfektionsmittels zum Beispiel mit Octenisept in Form von Spray ist ratsam. Octenisept Gehl kühlt zusätzlich, bildet eine Schutzschicht gegen Mikroorganismen, versorgt die Wunde mit Feuchtigkeit und fördert die Wundheilung. Octenisept (auf wässeriger Basis) ist für Säuglinge und Kinder besonders geeignet, da die Anwendung schmerzfrei ist. Weiterhin kann in geringer Dosierung lokal Betaisodonna Salbe als Antiseptikum (keimtötendes Mittel) bei Säuglingen zur Therapie eines Panaritiums verwendet werden.

Bei Eiteransammlung muss umgehend ein Arzt konsultiert werden. Zunächst wird dann mit Zugsalbe, die antibakteriell und entzündungshemmend wirkt, behandelt wie zum Beispiel mit Ichthyol. Dabei wird die infizierte Hautregion aufgeweicht und die Eiterentleerung beschleunigt. Bei seltener Infektionsausbreitung in die Tiefe mit drohenden Folgen ist eine lokale antibiotische Salbenbehandlung wie zum Beispiel mit dem Wirkstoff Ampicillin und in schweren Fällen eine systemische Antibiotikumbehandlung indiziert. Eine selten notwendige Ausräumung des Eiterherdes erfolgt bei Säuglingen und Kindern in Lokalanästhesie.

Therapiebegleitend und nach Abklingen des Panaritiums kann die empfindliche Haut rund um den Nagel erneut mit GEHWOL med Nagel- und Hautschutz-Creme (alternativ: GEHWOL med Nagel- und Hautschutz-Öl) gepflegt werden. Die Produkte enthalten hochwertige Pflegestoffe wie Weizenkeimöl, Panthenol und Bisabolol. Weizenkeimöl beispielsweise ist reich an Vitamin E, das zusammen mit dem Provitamin Panthenol die Hautzellen schützt und den Feuchtigkeitsgehalt der Haut reguliert. Die Pflegestoffe besitzen zudem antimikrobielle Eigenschaften. Sie beruhigen die Haut, wirken reizlindernd und entzündungshemmend und beugen somit dem Risiko einer erneuten Entzündung vor.

 

Falldemonstration

Bei einem 4 Monate alten Baby führte die Mutter mehrfach eine falsche häusliche Nagelpflege durch, indem sie die Nagelecken tief ausschnitt. Infolge dadurch verursachter Hauteinrisse entwickelte sich ein massives Panaritium an beiden Großzehen.

Abbildung_1

Abb. 1
Panaritium an beiden Großzehen mit ausgeprägter Rötung, Schwellung und Eiteransammlung aufgrund falscher Nagelpflege. Nach Angaben der Mutter war das Kind sehr unruhig und schrie heftig. Fieber bestand nicht.

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Abbildung_2b

Abb. 2 a und b
Nach Behandlung mit kalten Quarkwickeln, regelmäßiger vom Arzt empfohlener Anwendung mit Octenisept Wunddesinfektionsspray, entleerte sich der Eiter spontan an beiden Großzehen. Im folgenden Verlauf hat sich beiderseits am medialen Nagelwall ein wulstförmiges Granulationsgewebe entwickelt.

Unsere Autorin

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Dr. med. Renate Wolansky
Fachärztin für Orthopädie, Sportmedizin, Naumburg